WigbertWorldcupAntwerpen2013

Interview mit dem Koordinator Trial im BDR Wigbert Zudrop

Alle Aufgaben des Koordinators Trial im BDR

Alle Aufgaben des Koordinators Trial im BDR.

Wigbert Zudrop ist als Koordinator Trial im Bund Deutscher Radfahrer unser wichtigster Radsport-Funktionär. Er sitzt als einer von fast 20 Radsport-Koordinatoren im BDR Hauptausschuss und ihm obliegt die Leitung, Koordination und Vertretung des Trial-Radsports intern und extern (Auszug aus der Satzung).

Zu Beginn der neuen Saison habe ich mit ihm über seine Ziele fürs kommende Jahr gesprochen, darüber was beim runden Tisch für die Fahrer herausgekommen ist, über die wachsende Street-Trial-Szene, den BIU-BDR-Konflikt und einige andere Themen.

SixSections:
Eine neue Saison steht vor der Tür. Was sind Deine Ziele für 2014?

Wigbert:
Es gibt natürlich viele Aufgaben. Um nur einige davon zu nennen:

  1. Im Zusammenspiel mit dem MC Neuburg/Donau gilt es eine Mammut-DM für die 20- und 26-Zoll-Klassen und den Trial-Pokal top zu organisieren.
  2. Ich möchte die Nachwuchssportler in Kader integrieren und unterstützen.
  3. Darüber hinaus ist eine Betreuung bei der EM 2014 in Polen zu realisieren.
  4. Die Vorbereitungen der WM 2014 in Lillehammer (Norwegen) mit dem BDR abzustimmen ist ebenfalls ein wichtiges Ziel.
  5. Zusätzlich müssen wieder Neu-Ausbildungen und Auffrischungslehrgänge für Punktrichter durchgeführt werden.
  6. Zu guter Letzt sind bei Bedarf Trainingsmaßnahmen mit dem Trainerteam organisieren.

SixSections:
Im Dezember gab es in Frankfurt einen Runden Tisch. Was ist dabei für die Fahrer rausgekommen?

Wigbert:
Beim Runden Tisch ist für die zukünftigen Trainingsmaßnahmen ein Trainer-Team installiert worden, das sind Martin Engelhart, Thomas Bilgeri und Thomas Mrohs. Diese 3 haben in der Vergangenheit bei verschiedenen Maßnahmen sowohl Sportler als auch Eltern und Betreuer in ihrer Tätigkeit als Trainer in Theorie und Praxis überzeugt.

SixSections:
Ich werde immer wieder gefragt, ob es möglich ist, an BIU-Veranstaltungen teilzunehmen. Das ist der Wunsch vieler Fahrer. Wird das 2014 möglich sein?

Wigbert Zudrop bei der 20" DM in Kiefersfelden.

Wigbert Zudrop bei der 20″ DM in Kiefersfelden.

Wigbert:
An der Situation hat sich nichts geändert. Ein Start bei Veranstaltungen der EBU und IBU sind für Lizenzinhaber des BDR/UCI nicht zulässig, da es sich um einen konkurrierenden Verband handelt. Es wird keiner gezwungen, sich für eine BDR-Lizenz zu entscheiden. Mit dem Lizenzantrag wird der Besitz einer zweiten Lizenz ausgeschlossen. Der BDR/UCI sind gut aufgestellt und müssen sich von der IBU keinesfalls bedroht fühlen. Das ein Umdenken weg von der IBU und hin zur UCI nicht nur im asiatischen Raum zu erkennen ist, zeigen die Veranstaltung 2013 im Iran und die WM-Teilnahme der Japaner in den letzten 2 Jahren.

SixSections:
SixSections richtet sich auch an die wachsende 24″ Street Szene. Was hat der BDR für ein Konzept, um diese Fahrer als Zielgruppe zu erreichen?

Wigbert:
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder bei regionalen Veranstaltungen Kontakt zu den City-Trialern gehabt und Gespräche geführt. Bei mir ist der Eindruck entstanden, das diese sich auf keinen Fall organisieren wollen. Sollte sich eine Szene von Trial-„Freestylern“ bilden, die Wettbewerbe o.ä. für sich organisieren wollen, sind diese in den Landesverbänden und beim BDR herzlich willkommen.

SixSections:
Wird es 2014 einen Nationaltrainer für die Trialer geben, wie man das aus anderen Radsportdisziplinen kennt?

Wigbert:
Nein, einen Nationaltrainer gibt es für die „Nichtolympische“ Radsportdisziplin Trial nicht. Mit der Einsetzung des Trainerteams ist aus meiner Sicht ein wichtiger und richtiger Schritt für die nächste Zukunft getan worden.

Wigbert Zudrop als Zuschauer beim Worldcup 2013 in Antwerpen.

Wigbert Zudrop als Zuschauer beim Worldcup 2013 in Antwerpen.

SixSections:
In Belgien wurden eigentlich regional ausgelegte Wettkämpfe als Trial-Pro-Series auf UCI C1 Niveau gehoben, was den belgischen Fahrern wichtige Weltranglisten-Punkte bringt. Gibt es ähnliche Bestrebungen in Deutschland, um den Fahrern den wichtigen Einzug in die Top 10 zu erleichtern?

Wigbert:
Belgische Verhältnisse sind nicht einfach übertragbar. Die Familie Belaey ist der Motor aller Trialaktivitäten in Belgien. Für einen UCI-C1-Lauf entstehen zusätzliche Kosten in Höhe von 250€ zusätzlich plus Preisgeld für den Ausrichter. Ohne entsprechendes Preisgeld werden die Sportler nicht bereit sein, in zusätzliche Übernachtungs- und Fahrkosten zu investieren. Der Aufwand bei Organisation und Sektionsbau ist ebenfalls erheblich größer als sonst üblich. Außerdem kommen auf Grund des höheren Schwierigkeitsgrades nur eine begrenzte Anzahl an Vereinen für die Durchführung in Frage. Ich werde im Laufe des Jahres eine Abfrage dazu durchführen.

SixSections:
Bei der Abfrage biete ich gerne an, zu gegebener Zeit über die SixSections auch online mit einer entsprechenden Befragung und der Möglichkeit zur Online-Diskussion zu unterstützen.


Hintergrund-Info:

Wir haben in den deutschen Wettkämpfen der letzten Jahre gesehen, dass auch Weltklasse-Fahrer aus Elite und Junioren zwischen 30 und 80 Fehlerpunkte einfahren. Das ist eine Anzahl, die auch unter Berücksichtigung von Sektionszahl und Fahrerlevel international absolut vergleichbar ist. Ich würde das mindestens 8 Deutschen Vereinen zutrauen.

Iciar Van den Bergh hat 2013 sechs C1-Veranstaltungen auf seiner Liste was ihm 109 Punkte in der Weltrangliste bringt. Bei der WM ist erst ein 5. Platz 110 Weltranglistenpunkte wert. Wer sechs C1-Veranstaltungen gewinnt, bekommt 180 Weltranglistenpunkte, was so viel wert ist wie ein WM-Titel (150 Punkte) und zwei Deutsche Meisterschaften (je 15 Punkte). Vincent Hermance hat 2013 sechs C1-Läufe in Belgien und Frankreich gewonnen und einen zweiten Platz (20 Punkte) erreicht.


SixSections:
Denkst Du nicht, dass sich der zusätzliche Aufwand vor diesem Hintergrund für alle lohnen würde?

Wigbert:
Der Verband, sprich BDR, kann die Ausrichter nicht zwingen, sich für bestimmte Wettbewerbe zu entscheiden. Ich bin gerne bereit, bei Interesse mit entsprechenden Informationen zu dienen. Es war aber auch in 2013 und wird auch in 2014 so sein, das man als deutscher Starter gerne in Belgien, Spanien oder Frankreich gesehen wird. Mir ist aber auch klar, das der Heimvorteil dann als Gaststarter nicht gegeben ist.


Hintergrund-Info:

Ich habe Aufwand und Kosten einer C1-Veranstaltung auch mit Kenny Belaeys Frau Fien Lammertyn besprochen. Sie konnte nur bestätigen, dass die Anmeldung bei der UCI 250€ kostet, die dann einen Offiziellen schickt, der die UCI auf dem Wettkampf repräsentiert. Das Event käme so allerdings auch in den UCI-Veranstaltungskalender und man könne natürlich mit dem UCI-Logo werben und auch bei Sponsoren als international ausgeschriebenes Event des Radsport-Weltverbands auftreten. Ein besonderes Preisgeld sei nicht nötig. Der organisatorische Mehraufwand beschränke sich auf das Ausfüllen eines Formulars zur Anmeldung. Was das fahrerische Level angeht, geht Fien davon aus, das eine deutsche Elite-Spur den Anforderungen ebenso genüge wie eine belgische Elite-Spur. C1 sei besonders wegen der Weltranglistenpunkte immer ein Anreiz für ausländische Fahrer. Neben den Punkten aus dem kurzen Gespräch mit Fien gibt es sicher noch das ein oder andere mehr zu bedenken, aber eventuell lohnt sich für einige Vereine die Überlegung. Für die Fahrer würde es sich auf jeden Fall lohnen!


Wigbert:

SixSections:
Viele für die Fahrer wichtige Infos werden seit einigen Jahren in der Trial-Info bekannt gegeben. Wann kommt die diesjährige Ausgabe heraus?

Wigbert:
Da ich 3 Wochen krank war, wird sich das Erscheinen der Trial-Info 2014 verschieben. Vermutlich Mitte März wird die Trial-Info veröffentlicht.

SixSections:
Ich habe auf SixSections in einer Artikel-Reihe die letzte Trial-Info 2013 kommentiert und dabei auch eine Reihe Kritikpunkte und Widersprüche gesehen. Denkst Du es wäre eine gute Idee, die Inhalte der Trial-Info 2014 vor Veröffentlichung nicht nur intern, sondern auch in einem erweiterten Kreis oder sogar öffentlich mit anderen zu besprechen, um so eine höhere Qualität und Akzeptanz zu erreichen?

Wigbert:
Die Trial-Info ist in der Vergangenheit nicht von mir im Alleingang veröffentlicht worden. Die Trial-Kommission hat diese zur Begutachtung bekommen. Änderungen sind dann natürlich vor der Veröffentlichung umgesetzt worden. So wird auch in 2014 verfahren.

SixSections:
Möchtest Du den Lesern von SixSections noch etwas für 2014 mit auf den Weg geben, wonach ich nicht gefragt habe?

Wigbert:
Ich und die Landesfachwarte erhoffen sich für 2014 eine Versachlichung und einen offenen und ehrlichen Umgang mit allen Trial-Interessenvertretern.

SixSections:
Das ist doch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.